Donaupaddelfahrt mit dem Seekajak „Amrum“

Erster Teil: Ulm – Bratislava (720 km) 14 Tage in 2015

Zweiter Teil: Fischamend – Belgrad (746 km) 14 Tage im Juli 2016

Boot: Seekajak Amrum 3 von Pietsch&Hansen, 5,3 m lang, 55 cm breit, 18 kg leicht, aus Carbonfaser/ Polyester, mit versenkbarer Steuerung) plus kleinem Bootswagen

Ausrüstung: Zelt, Schlafsack, Kocher, Wechselsachen sowie Essen und Trinken für mehrere Tage

Übernachtung: auf Campingplätzen, an Kanu Clubs, wild am Ufer oder auf Sandbänken

Bei der Planung des zweiten Teils war entscheidend, dass ich nicht von Belgrad 1.400 km nach Darmstadt allein zurück fahren wollte. Auch das Nachholen des Autos vom Einsatzort Bratislava zum Endpunkt Belgrad wäre nur mit einigem Zeitaufwand machbar. Drei Länder, 750 km Strecke, mindestens 12 Stunden Bahnfahrt plus die gleiche Strecke mit dem PKW zurück, Boot aufladen und dann wieder nach Deutschland. Alles in Allem drei bis vier Tage Fahrt.

Also dachte ich über andere Möglichkeiten nach. In einem Kanublog hatte ich davon gelesen, dass Kajaks als Sportgepäck im Flugzeug aufgegeben wurden. Bei der Buchung war das Reisebüro sehr skeptisch. Aber dann kam von der Lufthansa eine schriftliche Bestätigung über ein Sportgepäck mit 530 x 60 x 40 cm Ausmaß und 20 kg Gewicht. Aufpreis am Flughafen zahlbar. (100 € pro Strecke, wie sich herausstellte). Ein weiteres Gepäckstück mit max. 32 kg Gewicht war kostenfrei zulässig. Na geht doch. Jetzt musste ich noch einen hilfsbereiten Freund finden, der mich mit Boot und Auto zum Frankfurter Flughafen und das Auto dann wieder weg bringt. Hilfreich wäre gewesen, wenn die Lufthansa vorher gesagt hätte, dass der Sperrgepäckschalter Nr. 444 in Halle B am anderen Ende des Abflugbereiches zu finden ist, dann hätten wir das andere Parkhaus benutzt. So mussten wir die 500 m quer durch alle Menschen an den Abflugschaltern und unter lächelnden bis erstaunten Mienen laufen. Vielen dank an Benno, der die Schlepperei ohne Proteste mit gemacht hat. Am anderen Ende, in Wien, gaben mir die netten Paddler und Naturfreunde lange vorher per Mail die Auskunft, ich wäre zu Fuß schneller an der Donau, als sie aus der Stadt in Schwechat. Tatsächlich liegt der Flughafen direkt an der Donau.

Das Boot kam tatsächlich kurz nach der Reisetasche aus einem „schwarzen Loch“ in der Wand im Sperrgepäckbereich unbeschädigt heraus. Der zuständige Mensch versichert mir, dass es ab da bis zum Ausgang ebenerdig weiter geht, also kann ich ja auch gleich fertig packen. Ein Berg Pappe und Luftpolsterfolie blieb zurück, während ich den Ankunftsbereich mit dem Kajak auf dem Bootswagen verlasse. Auf dem Flughafenradweg ging’s bis Fischamend, einem kleinen Ort an der Fischa. Zugegeben, der Weg war anstrengend, besonders die unerwartete Steigung bei über 30° im Schatten, also gefühlten 45 in der Sonnen. In Fischamend lag ein Billa direkt am Weg, wie ich bereits vorher recherchiert hatte, so dass ich alle notwendigen Lebensmittel einkaufen und auch noch verstauen konnte. Alles in allem drei Stunden nach der Landung war ich am Wasser und konnte starten. Zunächst 8 km durch den Auenwald, dann  die Mündung in die Donau. Wow, hier war ich vor ziemlich genau einem Jahr schon mal. Diesmal war die Strömung gefühlt sogar noch stärker. Bratislava kam um 18:15 in Sicht, es ist wieder ein toller Blick aus der Ferne auf die weiße Burg oben auf dem Felsen. Wie die 14tägige Reise durch Slowakei, Ungarn, Kroatien und Serbien bis Belgrad weiter ging, wird demnächst beschrieben.

Jetzt sei hier nur noch verraten, dass ich im hervorragend bewirtschafteten Nauticki Kanu Club in Belgrad (Sportboothafen) gut aufgenommen wurde. Das Zelt stand im Schatten neben dem Bootshaus, die Dusche war draußen vor dem Bootshaus. Ich hab sie nur morgens um 7:00 benutzt, um kein öffentliches Ärgernis zu erregen. Der Kellner Pjotr konnte nicht nur sehr gut englisch, bestes Jelen Pivo für umgerechnet € 1,20 zapfen sondern auch seinen Nachbarn und Taxifahrer fragen, ob er mich zum Flughafen bringen kann. So konnte ich mit dem aus 2 Holzlatten gebastelten Gepäckträger zwei Stunden vor Abflug das Kajak zum Flughafen bringen. Meine finanzielle Aufmerksamkeit reichte für den Transport bis vor den Sperrgepäckschalter, der in einem kleineren Flughafen problemlos zu finden war. Nach einigem bürokratischen Aufwand wurde es dann gerade noch rechtzeitig im selben Flieger verladen. Bei der Rückfahrt verzichtete ich auf die Verpackung, denn woher sollte ich sie auch nehmen? Und das Boot kam trotzdem heil aus dem Ausgabeförderband in der Gepäckausgabe in Frankfurt.

Es ist also möglich das Kajak im Flieger mitzunehmen und damit die logistischen Probleme zu lösen, die im Donau-Kanuführer des DKV auf S. 386 bei km 1173 so eindrücklich beschrieben sind: „Der Rücktransport von Kunststoffbooten ab Belgrad stellt ein besonders Problem dar...“.

Kai Blanck

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