Paddeln mit russischen Freunden vom 4. bis 13.8.2016

auf Unstrut, Saale und Leipziger Gewässern.

„Wer weiß, wozu es gut ist !“

 

Werner verletzte sich vorher seinen Fuß und humpelte auf Krücken. So fand er ausreichend Zeit,  die 14. gemeinsame Reise sehr gewissenhaft vorzubereiten und ausreichend zu genesen. Der Osten Deutschlands birgt so manches uns Westlern noch wenig  bekanntes Paddelparadies, was Werner vor einigen Jahren herausfand.

Am 22.7. trafen sich die DSW-ler bei Helga in Darmstadt, um den letzten Stand von Teilnehmern und Programm zu erfahren und um Boote mit Zubehör sowie Transport festzulegen.

Am Donnerstag (4.8.) fuhren Edith und Helga sowie Burkardt, Dieter, Klaus und Werner zum Bootshaus am Altrhein, um die Boote auf 2 Anhänger und 3 Pkws zu verladen. Unsere beiden Damen hatten bereits  vorher alles  vorbereitet und durften daher ohne Last und im Wohnmobil auf die lange Reise gehen. Gegen Mittag startete die kleine Pkw-Karawane und erreichte nach 6 Stunden unseren 1. Standort beim Kanuclub Naumburg an der Saale, gegenüber der Unstrut-Mündung. Unsere Damen sowie die russischen Autofahrer erwarteten uns bereits mit einer Stärkung und halfen beim Aufbau der Zelte.- Der Platzwart auf Zeit kommt aus Guntersblum und verbringt hier regelmäßig seinen Urlaub im großzügigen Areal mit  gutem Bootshaus,  mitten in einem Naturschutzgebiet, direkt am Wasser.

 

Am Freitag (5.8.) traf der Rest der Startmannschaft  ein, die Russen mit öffentlichen Verkehrsmitteln und die Mitarbeiter der Firma Marbach (Bernd und Alexander) mit Pkws. Alexander  (Wolgadeutscher aus Kasakstan, 28 Jahre alt, ledig, Hans Dampf in allen Gassen) ist unser Dolmetscher, der sich aber auch um alles kümmert, wo es was zum Helfen gab. - Wir erkundeten die Platzmöglichkeiten und seine nähere Umgebung. Wir liegen mitten in einem schon zu DDR-Zeiten beliebten Fremdenverkehrsgebiet mit weitläufigem und ruhigem Campingplatz sowie Kanu- und Fahrradverleih. Wir haben direkte Anbindung an Saale - und Unstrut-Radwanderwege. Eine Fähre führt zu den gegenüber liegenden Weinbergen. Die Umgebung ist touristisch bestens erschlossen. - Eine Gruppe von uns fährt am Nachmittag nach  Naumburg mit seinem Dom, eine andere per Auto in das Unstruttal, um Einzelheiten der morgigen  Paddelstrecke festzulegen. - Das Wiedersehen mit unseren russischen Freunden ist herzlich wie immer. Wir feiern die Geburtstage von Natalia und Klaus.  Der Tag endet mit einem Grillabend und mit dem Austausch von Geschenken – aber auch mit dem Gedenken an Iwan – der im Januar beim Skifahren völlig unerwartet verstarb. Iwan war der Mitgründer, Organisator und Dolmetscher unserer deutsch-russischen Paddel- und Freundschaftsgruppe.

 

Samstag (6.8.) war unser erster Paddeltag für die 24 Personen (Helga kann wegen Rückenproblemen leider nicht aufs Wasser). Trübes Wetter veranlasste Werner, die Strecke auf der Unstrut bis zu unserem Zeltplatz etwas zu kürzen. Als Einsatzstelle  wurde oberhalb der Schleuse Tröbsdorf/Burgscheidungen (km 20,7) festgelegt. Zusammen mit einer Rudergruppe gingen wir bei leichtem Nieselregen auf Wasser. Der Himmel über dem sich windenden Flüßchen mit wenig Strömung riß bald auf, und es wurde wieder warm. Einer unserer Zweier mit Natalia und Igor kenterte durch Unachtsamkeit und wurde bald wieder flott gemacht; außer einer Brille ging nichts verloren. Die Hauptgruppe wartete auf die Nachzügler an  dem schönen und großen Rastplatz  von Balgstädt (km 8). Ferien und Sonne hatten hier viele Jugendliche zu einem Kanu-Bauer und -Verleiher angezogen. Die Unstrut hat sich hier in den Geo-Naturpark des trockenen Triaslandes eingegraben und steile Berghänge geschaffen. Es ist das nördlichste Weinbaugebiet Deutschlands, gekrönt mit Burgen, Klöstern und Kirchen, uraltes Kulturland (z.B.Nebra-Scheibe). Bei Freyburg mit der mächtigen Neuenburg verengt sich das Tal bevor es in das Saaletal einmündet.- Ein langer Grillabend mit viel Bier in unserem luftigen Party-Zelt beschließt den ersten Paddeltag.

 

Am heutigen Sonntag (7.8.) wollen wir die Saale oberhalb von Naumburg kennenlernen.

 

In Saaleck (km177), am Anfang der großen Schleife, setzen wir bei strahlendem Sonnenschein ein. Wir finden gute Strömung mit leichten Schwällen vor. Am Ausgang der Schleife öffnet sich ein bezaubernder Blick auf die Burgen Rudelsburg  und Saaleck. Letztere liegt hoch oben über einer Felswand, die bis in den Fluß hinein reicht. Flottes Wasser läßt uns nicht viel Zeit zum genießen. Wir erreichen schnell Bad Kösen in sonntäglicher Ruhe. Schöne Villen aus der Jugendstilzeit säumen die Ufer. Mitten im Ort liegt ein langes, schräges Überlaufwehr, das wie aber nicht befahren dürfen: also Umtragen. 18 Boote brauchen ihre Zeit. So machen wir am Unterwasser erst einmal ausgiebig Mittagsrast. Der Nachmittag bringt noch einmal schöne Schwallstrecken, und bald ist unser Zeltplatz erreicht (km162). -  Heute Nachmittag fahren wir gemeinsam, in kleine Gruppen aufgeteilt, nach  Naumburg  hinein, um das Weltkulturerbe mit Dom und Altstadt zu entdecken. Der Tag endet auf dem Marktplatz im Restaurant „Carolus Magnus“ mit vorbestelltem Essen und Wein aus der Gegend.

Der Montag (8.8.) wird anstrengend: Paddeln nach Weißenfels, Standort-Wechsel nach Leipzig  und Austausch der Marbach-Mannschaft (Bernd geht; Marco sowie Thomas  mit Astrid, Jona und Vinzent kommen). Werner läßt seine Mannschaft pünktlich und fertig gepackt um 10 Uhr antreten und verteilt die Tagesorder. Da wir an unserem Zeltplatz starten, liegen die Boote startklar bereit.

Der Tag ist schön aber etwas windig. Die Saale fließt langsamer in einem breiten Tal dahin, an beiden Ufern begleitet von Radwegen. In gemütlichem Tempo erreichen wir die Schleuse von Öblitz, wo wir geschleust werden. Kurz danach liegt eine Brückenbaustelle an der Fähre von Leisling (km 150). Hier setzen wir aus, holen per Taxi unsere Autos mit Anhängern und verladen alles für die kurze Fahrt nach Leipzig. Unsere Frauen versorgen uns inzwischen mit Vitamine durch frisches Obst für den Abend. Die kurze Fahrt dauert doch etwas länger, denn die korrekte Adresse des Kanuclubs wird von einigen unserer Navis nicht angenommen. Navigieren „ohne“ haben einige verlernt und müssen fremde Hilfe anfordern. Die SG Motorsport Leipzig nimmt uns sehr freundlich auf im recht city-nah gelegenen Gelände am Floßkanal, inmitten von Schrebergärten, Botanischem Schulgarten und Auwäldern, leider aber auch Straßenlärm-geplagt.

Für Dienstag (9.8) steht eine geführte Erkundung der Stadt Leipzig  vom Wasser aus mit eigenen Booten auf dem Programm. Peter – ein Bekannter von Werner – wird uns seine „Stadt an der Elster“ zeigen. Der anfangs bewölkte Himmel klart im Laufe des Tages auf und schenkt uns einen genußvollen Tag auf meist schmalen und stehenden  Gewässern zwischen Häusern und Villen mit teilweise wunderschönen Ufern und Parks. Wir starten am Bootshaus und fahren das breite und schnurgerade Elsterflutbett hinunter. Es war einst als Regattastrecke gebaut worden. Am Palmengartenwehr biegen wir links in die Elster ein und verlassen diese, nachdem wir die sehr schön renovierten und neu genutzten historischen Industriebauten passiert haben. Dann folgen wir dem Karl-Heine-Kanal bis zur Marina Leipzig Lindenau, wo wir umkehren.  Von hier aus soll einmal ein befahrbarer Wasserweg die Verbindung über die Saale zur Elbe herstellen. Im Garten-Restaurant von „Kanal 28“ genehmigen wir uns ein gutes Mittagessen und fahren gemütlich zum Palmengartenwehr zurück. Wer noch will, setzt die Fahrt geradeaus bis zum Stadthafen fort; die andern zieht es direkt zum Bootshaus zurück, um die Eindrücke von der Stadt noch zu Fuß zu ergänzen. - Die heutige Strecke betrug etwa 18 km und führte uns in die Randbezirke von Leipzig mit den Vororten Schleußig, Plagwitz und Neulindenau. - Der übliche Grillabend  beschloß den Tag.

 

Für den heutigen Mittwoch (10.8.) ist Regen angesagt. Natalia und Igor verlassen uns daher in Richtung Berlin. Die andern verlagern den für Freitag vorgesehenen Stadt-Info- und -Bummel-Tag nach vorn. Wir besichtigen zusammen das Völkerschlacht-Denkmal mit dem angeschlossenen Museum und teilen uns dann in mehrere Gruppen auf. So bummeln wir durch die Innenstadt mit ihren vielen Sehenswürdigkeiten, Einkaufpassagen und Geschäften. Vor allem unsere Gäste kehren schwer beladen zu unserer Station zurück. Die Stimmung ist trotz  feuchten und kühlen Wetters so fröhlich, daß wir uns nach dem Essen am offenen Kachelofen des Clubheims erwärmen, zur Gitarre greifen und bis weit in die Nacht hinein singen. Die Melodien kommen noch aus den Gedächtnissen hervor, aber die Texte …...

 

Es ist bereits Donnerstag (11.8.). Wir holen bei Sonnenschein die Flüßchen Pleiße und Elster mit den Verbindungen zur Leipziger Neuseenlandschaft nach. Wir starten wieder am Boothaus, diesmal oberhalb der Schleuse Connewitz  Fluß-aufwärts. Wir paddseln ohne Strömung und auf engem Fahrwasser im „Gänsemarsch“ durch dichten Au-Wald mit herrlichen alten Baumriesen, die unseren Wasserweg fast ganz überdecken. Hier nistet noch der Eisvogel. Daher ist die Befahrung auf wenige Stunden am Tag begrenzt. Während die Pleiße rostig-braunes Wasser aus den Braunkohlegruben führt, ist das Wasser aus den bereits renaturierten Seen, denen wir zustreben, glasklar. Nach dem kleinen Waldsee Lauer gelangen wir über eine Regulierungsschleuse zum Cospudener See bei Markkleeberg. Er empfängt uns mit kräftigem Wind, so daß wir uns in Üfernähe halten. An einem breiten Sandstrand machen wir  Mittagspause und nutzen sie zum Erkunden des ca 1 km langen Umtrageweges zur Elster. Glücklicherweise reichen unsere Bootswagen aus für eine einmalige Strecke. Wir finden eine nicht optimale aber geeignete Einsetzstelle unterhalb des Überlaufwehres von Großzschochen. Die Elster hat hier  kleine Schwallstrecken und trägt uns schnell in die uns bereits bekannte Stadtroute hinein und zurück zu unserem Gastgeber. Es wird der Abend des großen Abschiedes und des Pläneschmiedens für 2017 : Weißrussland ???

 

Am Freitag (12.8.) brechen die russischen Pkws und die „Marbacher“ auf. Der kleine Rest hat keine Lust mehr, bei trübem Wetter auf der Mulde zu paddeln. Wir wollen uns daher das Kanuzentrum am Cospudener See mit seiner Wildwasser-Wettkampfstrecke ansehen. Wir kommen gerade richtig um eine Jugendgruppe beim Raft-Training zu beobachten. Unser Wildwasser-Spezialist Sascha muß unbedingt mit seinem Wildwasserboot die Strecke mehrfach ausprobieren, kritisch beobachtet von seiner Frau und den beiden Kindern. - Ein ganz schön teures Vergnügen für eine Anlage, die nur wenige Stunden am Tag in  Betrieb ist. - Danach wandeln wir noch ganz in der Nähe „Auf den Spuren der Braunkohle“ mit dem Bergbau-Technik-Park, der die Geschichte des Braunkohlenreviers südlich von Leipzig aufzeigt.- Den Tag beschließen wir 6 vom DSW  zusammen mit Sascha, Olga sowie ihren Kindern Michael und Eugenia in einem urigen Restaurant ganz in unserer Nähe.

 

Am Samstag (13.8.) verladen wir unsere Boote sowie  das restliche Gepäck und nehmen gegen Mittag  Abschied. Sascha reist mit Familie  in die Tschechei zum Wildwassertraining; Edith und Helga wollen noch einige Tage im Osten bleiben; Werner, Klaus, Burkardt und Dieter fahren zum Altrhein und bringen all unsere vom Club geliehenen Ausrüstungen wieder ordentlich an ihre Plätze.

 

Dank sagen wir unserem DSW 12, der wieder viel Material zur Verfügung stellte, und vor allem  Helga, die wegen Ihrer Rückenschmerzen die ganze Zeit nicht paddeln konnte und dennoch bei uns blieb, um viele kleine und große Dienste uns „Aktiven“ zu erweisen

Wir alle freuen uns  schon auf das Wiedersehen  2017 in Russland mit hoffentlich großer Beteiligung aus Darmstadt.

Die Teilnehmer aus Rußland waren:

Eugeny mit Natalia K., Dascha und Igor K.,

Sascha mit Olga, Michael und Eugenia,

Sergey mit Elena P.,

Anatoly mit Neffen Grigory,

Igor M. mit Natalia,

Igor B., Elena M. und Irina,

 

von Dieter Tandler

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