Schweden-Wanderfahrt  in Dalsland und Värmland nördlich von Göteborg vom 01.07.2017-16.07.2017

Johannes Kollmann fuhr schon 4x mit Jugendlichen zum Paddeln nach Schweden. Und diesmal sprang seine Begeisterung für dieses Land auf uns über: Mechthild, Winfried, Birgit, Reinhard, Henny und ihre Freundin Christa, Eva, Werner, Edith, Sigi, Tine(angereist vom Bodensee), Anna (senkte den Altersdurchschnitt!) und als Fahrtenleiter Johannes. Werner, Mechthild, Winfried und Birgit hatten mit dem Leben und Paddeln in der wilden Einsamkeit (Yukon oder Schweden) schon Erfahrung. Der Rest von uns bereitete sich in informativen Vortreffen auf das Abenteuer vor.

Es wurde ein abwechslungsreicher Speiseplan für die Abende vorbereitet, jeweils 1 oder 2 Mitfahrer kauften für „ihren“ Abend die Zutaten ein, 3mal hatten wir unterwegs Gelegenheit, etwas Frisches dazu zukaufen. Es musste an so viel gedacht werden! Gewürze, Milchpulver für das morgendliche Müsli, Kaffe bzw. Tee (es gab auch Brennnessel-Tee, aber der ist harntreibend und kam nicht zum Einsatz, wir hatte keine Lust, nachts ständig das Plumpsklo aufzusuchen…), Mülltüten, Küchenrolle, scharfe Messer, Brettchen, Unmengen von leckerer Salami und Käse für das mittägliche Picknick. Die Frage: „Wo ist…..? war ständig auf unser aller Lippen. Mechthild behielt fast immer den Überblick und konnte die Fragen kundig sofort beantworten.

Wir übernachteten nur auf sehr naturbelassenen Plätzen mit Lagerfeuer. Darauf für 13 hungrige Leute zu kochen war schon eine Herausforderung, auch weil man beim Umrühren ständig in dem beißenden Rauch stand und die Augen brannten. Nudeln gelangen dennoch „al dente“, Curry war pikant, die Soja-Stücke in Brühe eingeweicht schmeckten wie Hühnchen, das übrig gebliebene Cous Cous ergab am nächsten Tag mit Zitrone (unermesslicher Vorrat von Edith) und Pfefferminze (kreativ: Blätter aus einem Teebeutel!) einen leckeren Salat. Voraussetzung für ein gelingendes Kochen: Holz, Holz, Holz! Werner und sein Holz-Beschaffungsteam arbeiteten unermüdlich mit Säge und Beil, Splitter in den Händen mussten in Kauf genommen werden. Stämme lagen an den Plätzen meistens bereit, aber sie mussten kräftezehrend zerkleinert werden. Der jeweilige Feuerplatz war umgeben von 3 Baumstämmen zum Sitzen und einem soliden Holz-Unterstand, wo wir (gut verschlossen gegen Mäuse und Füchse) Lebensmittel unterbringen konnten. Beim obligatorischen Suchen nach den Koch-Utensilien stieß man sich immer den Kopf am niedrigen Dach: „Boing!“, danach ein lautes „Aua“. Dies war neben der Frage „wo ist...“ das Zweithäufigste, was zu hören war.

Immer fanden wir gute Plätze zum Aufstellen der Zelte, die Kiefernzapfen wurden mit dem Paddel „abgekehrt“ und wir lernten, mehr oder weniger gut auf Baumwurzeln zu schlafen. Schweden hat unermesslich große Wälder, wunderschöne kleine und große Seen, viele von der Eiszeit geschliffene Felsen und immer sehr steinige Ufer zum Anlegen. Wir hatten 6 Aluminium-Boote in Lennartsfors am See Foxen gemietet, jeweils für 2 Paddler und viiiiiel Gepäck. Und mit diesen stabilen Booten konnten wir bedenkenlos beim An-und Ablegen über die Steine und Felsen schrappen. (Johannes schaffte es, mit seiner Kunststoff-“Senja“ dennoch unbeschadet an Land zu gehen).  Auf vielen Steinen sind Aluminium-Spuren – was werden wohl die Altertumsforscher in 1000 Jahren darüber denken? Ein seltsames Ritual der schwedischen Ureinwohner?

Auf den vorbereiteten Plätzen müssen alle Gruppen mit mehr als 5 Personen übernachten und sie sollen am nächsten Tag den Platz verlassen, damit andere Leute wieder unter sich sein können. Weniger als 6 Personen können überall schlafen (das Recht, die Natur zu erleben, wird in Skandinavien „Jedermannsrecht“ genannt). Sie müssen dann aber mit einer Schaufel die Fäkalien vergraben. Wir hatten fast immer ein Plumpsklo, solide und liebevoll gebaut, die Fäkalien gelangen in einen großen Plastikbehälter und werden kompostiert. Der Klositz war immer weiß, gut mit Evas Desinfektionstüchern zu reinigen, eigentlich eine ziemlich hygienische Situation. Ab und zu kontrollieren Ranger mit einem Boot der Naturschutzorganisation DANO alle Plätze, reinigen das Klo, sorgen für neue Holzstämme und schauen nach dem Rechten.

Um diese gute Infrastruktur zu nutzen, muss man pro Person und Tag 4 Euro beim Mieten der Boote bezahlen. Dafür erhält man eine Karte der Region, auf der alle Übernachtungsplätze, Schleusen, Orte und Müllsammelstellen markiert sind. Dies ist sozusagen die Eintrittskarte in die Region und wird evtl. von den Rangern kontrolliert.

Wir sind ca. 197 Km gepaddelt. Wir hatten aber 2 „Ruhetage“ am jeweiligen Standort, wo man Rundtouren mit paddeln konnte oder eben nicht. Dadurch haben einige mehr Km, andere weniger. Da alles auf stehendem Wasser geschah und wir an dem Tag auf dem Lelang einen heftigen Gegenwind hatten, ist dies doch eine anschauliche Km-Leistung. Bei diesem Gegenwind-Tag schafften wir in 6 Stunden auf dem Wasser mit schwerer Mühe gerade mal 12 Km! (Kommentar Winfried: ein Höllenritt!)

Und nun noch eine chronologische Kurzfassung der Tour:

13 Personen (Glückszahl!?), Johannes PKW und ein Leihbus für 9 Personen. (Werner und Winfried, danke für das Fahren!)

600 Km bis Lübeck-Travemünde,  Nachtfähre Travemünde. Malmö 22h. 7h30, letzte Dusche, Frühstück…… 500 km nach Norden vorbei an Göteborg, die letzten 30 km über unbefestigte Schotterwege.

Bootsübernahme am Camping Lennartsfors, Autos stehen gelassen. Am Ostufer des Foxen-Sees in einen Seitenarm nach Osten, kurze „Portage „(= mühsame Umtragung/Umfahrung mit den Bootswagen!). Kleiner See Övre Blömsjörg (Blumensee) schwierige Portage über holprigen Waldpfad nach: größerer See Blömsjörn im Süden, 2 km Portage bei Blomma in den Lelang See ( ein langer, 90 m tiefer See) ,Schleuse bei Gustavsfors 2,70m hinauf zum See Västra Silen, 2-Kammer-Schleuse Krokfors 5,30 m hinauf zum Östra Silen, einem See mit Ausläufern in alle Richtungen, die wir in 4 Tagen alle erkundeten.

Dann begann die Rückfahrt:

Durch die Krokfors-Schleuse und eine Portage bei Krakviken wieder in den Lelang, diesen nach Nordwesten (leider bei Nordwestwind bis Stärke 6!) zur Schleuse Lennartsfors 7,50m in 3 Kammern. Letzte beide Übernachtungen auf der kleinen Insel Getoama im Foxen nahe bei Lennartsfors. Von dort in einem Arm des Foxen südwestlich zum riesigen See Stora Le über die norwegische Grenze. Am Samstag zügige Rückkehr zum Camping Lennartsfors, Boote säubern, Autos beladen. Brötchen und süße Teilchen beim „Deutschen Bäcker“ bei Gustavsfors. Verabschiedung von Johannes und Brigit(sie paddeln noch in den Schären vor der Küste)und Tina und Anna (sie fliegen von Göteborg heim, im Bus war kein Platz mehr für sie).

Rückfahrt wieder mit der Übernachtung auf der Fähre, Dusche, Essen, Bier in der anbrechenden Nacht beim Durchfahren unterhalb der eindrucksvollen Öresundbrücke.

Wir erlebten:

Wunderbare Stunden in großer Einsamkeit (10 Einwohner/ Quadratkilometer) mit bewegenden Sonnenuntergängen, Vollmond in den fast immer hellen/ dämmrigen Nächten, Regenbögen über spiegelndem Wasser. Unvergesslich der Abend nach dem einzigen Regentag, als der Himmel hell und blankgeputzt über dem Östra Silen stand, blau, rosa, orange, in der Mitte der Regenbogen, dann der Vollmond über dem dunklen Wald und den rosa Wolken. Wir sangen Abendlieder und ein lustiges „Terzett“. Eine große Kameradschaft auf und neben dem Wasser.

Wir sahen Fischadler, Biberburgen (Birgit sah nachts 2 Biber), seltene Wasservögel (Prachttaucher) Mäuse und nachts einen Fuchs (Edith,...oder war es ein Dachs?). Leider keinen der scheuen Elche.

Wir aßen leckere Speisen!

Mücken waren fast nie ein Problem, eher Ameisen oder Kriebelmücken und 1x auch Zecken. Und die Körperhygiene??? Spezielles umweltverträgliches Gel zum Waschen, Schwimmen im See (fast alle, ungeniert FKK, morgens, mittags, abends…) Nur Haare waschen mit dem kalten Wasser war eine Herausforderung.

Leider verletzte sich Mechthild am linken Arm beim Sturz auf den spitzen und rutschigen Steinen. Mit Bandage überstand sie die restlichen 3 Tage als Beifahrerin in Winfrieds Boot, muss nun aber 6 Wochen wegen eines Armbruches eine Schiene tragen. Wir waren zu dem Zeitpunkt, als es passierte, 100 km vom nächsten Krankenhaus entfernt. Die Einsamkeit hat auch Nachteile.

 

Ohne Johannes Führung und seinen unermüdlichen Einsatz, seine Ortskenntnis, seine Sprachkompetenz, seine Erfahrung wäre diese Reise niemals möglich gewesen. Ein ganz großes Dankeschön an ihn.                    

Eva Roth

 

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